Mit welchem Wort bezeichnen Sie die heutige Zeit?

Sprache hat einen großen Einfluss auf unsere Wahrnehmung, unser Denken und Handeln – auch wenn der Einfluss der Worte oft nicht bewusst ist.


So ergaben Studien, dass allein die Beschreibungen der Lebensmittel das Geschmackserlebnis beeinflusst. So kann ein fremdländischer Name einem Getränk ein frisches exotisches Aroma verleihen und der Kuchen schmeckt besser, ist er nach Omas Rezept gebacken.


Sprache kann auch Bilder entstehen lassen. Diese Art der Worte bezeichnet man als Metaphern. Metaphern erzeugen ihre Wirkung im Verborgenen und werden deshalb eigens erschaffen, um unbemerkt das Denken und Handeln zu beeinflussen. Benutzt man die beispielsweise das Wort „Euro-Rettungsschirm“ wird die Gedankenkette dahingehend in Gang gesetzt, einen Schirm zur Rettung des Euros zu spannen. Welche Bilder tauchen bei „Asyltourismus“ oder „Flüchtlingswelle“ auf?


Doch nicht nur Bilder entstehen mittels Sprache oder Sprachschöpfungen, auch körperliches Unwohlsein kann durch Sprache entstehen. So konnte festgestellt werden, dass Tabuworte körperliche Stresssymptome auslösen. Wissenschaftler sind der Annahme, dass der verursachte Stress mit dem Erleben in der Kindheit verbunden ist. Kinder nehmen, noch bevor sie die eigentliche Bedeutung der Worte kennen, die Stimmung wahr, in der das Wort ausgesprochen wird. Werden Personen im Umfeld der Kinder z.B. wütend, unsicher oder ängstlich, so lernt das Kind das Wort mit diesem negativen Gefühl zu verbinden.


Aktuell leben wir in einer dynamischen Umbruchszeit. Die finanziellen Belastungen aufgrund Preissteigerungen z.B. im Bereich der Lebensmittel und Konsumgüter, die Vorkommnisse im Bereich der Energieversorgung und die Situation in der Ukraine sind Faktoren, welche das Leben beeinflussen und weniger planbar machen.


Jedoch gibt es unterschiedliche Bezeichnungen für diese Lage. Finden die Einen diese Ereignisse spannend, interessant, herausfordernd, außergewöhnlich, entwicklungsfördernd…, erleben die Anderen diese Zeit als anstrengend, deprimierend, depressiv, lähmend, ermüdend… .


Die gleichen Umstände werden somit von den Menschen jeweils anders bewertet.

Wende ich den Satz aus dem Talmud:


„Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen“

für die oben aufgezeigten Gruppen an, so resultieren aufgrund der unterschiedliche Bewertungen entgegengesetzte Wahrnehmungen, Gedanken und Handlungen. Unabhängig davon, ob der jeweilig Betroffene die Veränderungen gut heißt oder nicht, begegnen die Einen den Veränderungen aktiv und lösungsorientiert, während Andere wie gelähmt in Passivität verharren.

Worte sind nicht nur Werkzeuge der Kommunikation – sie sind der Ursprung von Handlungen und haben somit einen starken Einfluss auf unser Leben. Wer bewusster leben will, sollte sich mit seiner eigenen Sprache auseinander(?) / zusammen(?) setzen.


Mit welchem Wort bezeichnen Sie die heutige Zeit?

Bild von Andrys Stienstra Pixabay

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